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Umweltethik und die Realität des Umwelthandelns am Beispiel Klimaschutz

Umweltwissenschaften und Schadstoff-ForschungBridging Science and Regulation at the Regional and European Level200416:160400219

https://doi.org/10.1065/uwsf2004.06.082

Eingegangen: 20. Januar 2004

Angenommen: 6. Juni 2004

Publiziert: 1. Dezember 2004

Zusammenfassung

Ziel und Hintergrund

Der Beitrag behandelt die seit Jahren in den Umweltwissenschaften diskutierte Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten. Er knüpft an die Diagnose an, dass diese Diskrepanz vor allem dadurch zu erklären sei, dass die Gewohnheiten des einzelnen, sein Lebensstil, seine Bequemlichkeit und sein Bedürfnis nach Wohlbefinden ihn (trotz vorhandenen Umweltbewusstseins) an einem umweltgerechten Verhalten hindern. Diese Diskrepanz wird moralphilosophisch reflektiert.

Schwerpunkte

Die Moralphilosophie behandelt seit der Antike die Frage, warum man trotz richtiger Ansichten gegen das als ‚gut’ und ‚richtig’ Erkannte verstößt. Die klassische Antwort auf diese Frage lautet: Wenn jemand wider Wissen gegen das ‚Beste’ handle, so sei er nicht im Besitze klaren Wissens, sondern er habe nur eine Meinung; um bloße Meinung und nicht klares Wissen handle es sich, wenn es nicht ein ‚entschiedenes Urteil’, sondern ein ‚nachgiebiges’ sci, das von der Lust überwältigt wird. Ethik verfolgt das Ziel, Verhaltensnormen durch den śzwarglosen Zwang guter Argumente’ zu begründen, sie zu fundieren; man könnte daher annehmen, dass sie zu ‚entschiedenen Urteilen’ führen kann. Diese Hypothese wird anhand ethischer Argumente für den Klimaschutz überprüft.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Klimaschutzethik bzw. Umweltethik erweist sich bei näherer Betrachtung als strittiges Unternehmen, so dass von ihm die angenommene Sicherungsleistung nicht ausgehen kann. Letzteres resultiert auch daraus, dass die Umweltethik zu sehr auf die kognitive Überzeugungsleistung ihrer Argumente setzt; ethische Argumente müssen aber, damit sie handlungsleitend werden, auch emotionale Schichten ansprechen. Auf der Grundlage der Untersuchung naturpositiver Emotionen und Einstellungen wird diskutiert, wie die nötige ‚Ansprache des Gefühls’ erfolgen kann.

Schlagwörter

Aufklärung Diskrepanz von Einstellung und Verhalten Emotionen ethische Argumente Klimaschutz Moralphilosophie Politik Umweltbewusstsein Umwelthandeln Vernunft

Notes